Sébastien El Idrissi ist kein Designer der laut auftritt. In seinem hellen und ruhigen Studio im Zürcher Seefeld entwickelt er Produkte, die zunehmend wahrgenommen werden. Seine Projekte zeichnen sich in der Regel durch ein ausgeprägtes Augenmerk auf Zweckmäßigkeit, Struktur und die Schönheit des Alltags aus.

Bevor er an der ECAL Produktdesign studierte, absolvierte er eine Lehre als Metallbaukonstrukteur und arbeitete dann als In-house Designer bei verschiedenen Büros in Kopenhagen und Zürich. Seit 2019 arbeitet er unter eigenem Namen, bisher für Kunden in der Europa und Japan.
Für Studiotools hat er die «Wall Rail» entwickelt — eine wandmontierte Schiene aus Edelstahl, an der sich Studioboards, Layers, Screens, Regale und Zubehör befestigen, verschieben und kombinieren lassen. Dazu gehörend entwarf er einen Garderobenhaken, der das System über den Bürokontext hinaus attraktiv machen soll.
Wie bist du zu dieser Aufgabe gekommen?
Wie so oft war es eine Weiterentwicklung eines bestehenden Produkts. Studio Tools hatte mich ursprünglich für ein anderes Projekt engagiert. Als wir uns jedoch mit der damals existierenden Wall Rail auseinandersetzten, merkten wir schnell, wie wir diese noch verbessern könnten. Grundsätzlich stand die Frage im Raum: Wie kann man die Wände zu einem aktiven Bestandteil des Arbeitsplatzes machen?

Was bedeutet das konkret?
Ein Tisch funktioniert als horizontale Arbeitsfläche, weil man Dinge daraufstellen, sich daran setzen und sich um ihn herumtreffen kann. Die Tischplatte bietet somit ein Zentrum im Raum. Solche Fixpunkte wollten wir mit der Wall Rail in die Vertikale übertragen. So sollen die Wände aktiv genutzt werden können: Man kann etwas daran befestigen, verschieben, ergänzen oder wegnehmen. Whiteboards, Pinboards, Bildschirme, Jacken usw.
Was interessierte dich am Projekt?
Die Reduktion auf das Wesentliche und die atmosphärische Wirkung im Raum. Vor unserem Projekt versuchte die bestehende Wall Rail mit einem komplizierten Profil, einerseits die Schrauben zu verstecken und andererseits die Wände zu schützen. Dabei machten beide Eigenschaften das Profil unansehnlich und zu breit. Mit dem neuen Entwurf haben wir gute Lösungen für diese Probleme gefunden und alles auf eine einzige Linie reduziert. Auch das Material ist ehrlicher geworden: Aus lackiertem Aluminium wurde roher Edelstahl mit sichtbar geschliffener Oberfläche. Das Ergebnis hat eine angenehme Präsenz im Raum und lädt zum Gebrauch ein.
Kommen wir zum Garderobenhaken. Wie kam es dazu?
Das Briefing dafür kam von Studiotools. Mein Ziel war es, mit dem Garderobenhaken auch die Wall Rail einladender zu gestalten. In Meetingräumen und Büros fehlt es oft an einem Platz für Jacken, Rucksäcke, Fahrradhelme etc. Die Garderobenmodule mit großem Holzknopf und kleinem Metallhaken schaffen nun Abhilfe, egal, ob sie einzeln oder in Serie angebracht werden.

Und die Gestaltung?
Mich interessierte vor allem der Materialkontrast. Die Schiene ist Edelstahl — kühl, präzise, metallisch. Der Haken setzt dagegen: Die Scheibe aus Buchenholz ist rund, warm und taktil. Man findet sie auch ohne richtig hinzuschauen. Material und Form machen den Haken zu einem raumbereichernden Objekt.
Wie verändert die Wall Rail einen Raum — wenn man sie wirklich einsetzt, an mehreren Wänden?
Das tolle an den Studio Boards ist meiner Meinung nach die Leichtigkeit und die damit verbundene Flexibilität im Gebrauch. In Kombination mit der Wall Rail wird das Handling noch angenehmer, da alles an der Wand seinen Platz findet und doch jederzeit bewegt werden kann. So kann man den Raum für ein Meeting von zehn Personen konfigurieren und am nächsten Morgen für einen Workshop von vier Personen und am Nachmittag für eine Präsentation – und das jeweils in nur zwei, drei Handgriffen.
Was interessiert dich an dieser Zusammenarbeit weiter?
Dass das System wächst und sich weiterentwickelt. Mit den ersten Bausteinen — Boards, Layers, Screens und Garderobe — werden wir nun sehen wie sie sich im Alltag bewähren Wie schon bei diesem Projekt werden wir sicher auch daraus sicher noch etwas lernen können und versuchen alles ständig ein klein Wenig besser zu machen. Ich bin auch zuversichtlich, dass wir mit dem System noch andere Probleme im Büro lösen können.